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Mein 20. Ultramarathon: Ulmer Laufnacht, 100 Km / 02/07 - 03/07/2010:                                                                                 Ein Start bei der Ulmer Laufnacht hat den eindeutigen Vorteil, dass ich nur eine gute Autostunde dorthin anreisen muss und keine Übernachtung sowie kein Urlaub notwendig ist. Zudem erhält man für sie heuer erstmalig eine Wertung des IVV. Dies wurde von Helmut, einem Vorstandskollegen unseres Wandervereins Großaitingen, angestoßen. Die Entscheidung fiel aber erst im Januar. Die Startgebühr ist gestaffelt und bis zum 31/12/2009 galt ein Preis von 40 €, danach 50 € bis 27/06/2010, danach und als Nachmelder 60 €. Für mich geht das in Ordnung. Man kann Startgebühren schlecht vergleichen, weil es auch darauf ankommt, was inklusive ist.



Freitag, 02/07/2010



In meiner Arbeitsstätte ist es schon sehr heiß und das verspricht, morgen eine Hitzeschlacht zu werden. Der Wetterbericht sagt Temperaturen von 36° C voraus. Am Nachmittag lege ich mich etwa 2 h zum Ausruhen hin. Ich fahre um 19.30 h los und weil ich Hunger habe, steuere ich als erstes den Aldi an und kaufe Käsescheiben und Semmeln, die ich nebenher esse. Am Autobahnkreuz Memmingen darf ich wegen eines LKW-Unfalls nicht auf die A 7 auffahren. Kurz vorher hätte man auf die kürzeste Umleitungsstrecke abfahren können. Einen Hinweis darauf gibt entweder nicht oder ich habe ihn übersehen. Also hilft das nichts, ich muss bis Aitrach auf der A 96 bleiben. Dann fahre ich über Landstraßen (dort erst kommt eine Verkehrsdurchsage) bis zur Anschlussstelle Altenstadt und dort wieder auf. Der Umweg ist mit etwa 20 Km schon beachtlich. So erreiche ich den Start in Blaustein erst um 21.10 h.



Auf dem Weg zur Halle treffe ich Stephan, Andi, Rainhardt, Brigitte und Henry und drinnen eine Menge weitere bekannte Gesichter. Um 21.30 h findet ein Briefing statt, bei dem die Strecke vorgestellt und auf den geplanten Ablauf hingewiesen wird. Wegen der zu erwartenden Hitze werden zusätzliche Wasserstellen eingerichtet. Nach dem Abholen der Startunterlagen bereite ich mich vor. Aufwärmen muss ich mich nicht. Meinen Rucksack lasse ich bei Km 50 deponieren. Ich hoffe, dass mein Ischias dieses Mal Ruhe gibt. Etwa um 22.40 h gehe ich zum Start ins Fußballstadion hinüber. Dort stehen auf dem Spielfeld 3 Heißluftballone, um ein “Ballonglühen” durchzuführen. Dann folgt ein sehr schönes Feuerwerk.



Der Startschuss fällt kurz nach 23.00 h. Etwa 450 Teilnehmer (incl. 2er-, 4er- und 8er-Staffeln) müssen auf der Tartanbahneine Dreiviertel-Runde zur Musik von ich meine- Vangelis zurücklegen, bevor es in die Nacht hinausgeht. Gegenseitiges Glückwünschen sowie Anfeuern gehören mit dazu. Die ersten Km sind flach, dann steigt es stetig an. Das kommt mir gelegen.



Samstag, 03/07/2010



Den höchsten Punkt der Gesamtstrecke erreichen wir bei Km 11. Obwohl hier eine Veränderung vorgenommen worden ist, kenne ich mich aus. In Eggingen bin ich schon ein paar Mal IVV-gewandert. Weiter geht es durch Felder, Wiesen und etwas Wald hinüber nach Erbach. Ich unterhalte mich mit Karlheinz, Klaus und Michael.


Wenn man in der “Aura” von Transaustralien- und Transeuropaläufern marschiert und von ihnen als guter Schrittmacher bezeichnet wird, dann sagt das vielleicht schon ein bisschen was aus... .In Erbach müssen wir den Schloßberg “überschreiten” und bald danach erreichen wir die Zeitmessung bei Km 20 im Stadion. Ich bin nur unwesentlich langsamer als letztes Jahr.

Die Strecke verläuft die nächsten Km entlang der Donau. Bei Donaustetten überqueren wir sie und dann geht es nach Unterweiler weiter. Nach dem Dorf wird die vierspurige B 30 überquert und es folgt ein Stück durch Wald. Ab hier ziehen meine 3 Bekannten das Tempo an und ich marschiere ab jetzt einsam weiter. 


Erst in Buch (Allgäuer Eck) bei Km 35 treffe ich mal wieder auf einen Mitstreiter. Ein kleiner Anstieg ist zu überwinden. Man bekommt bei erfolgreicher Absolvierung 2 Qualifikationspunkte für den Ultra Trail du Mont Blanc gutgeschrieben, was mich schon sehr gewundert hat. Da sind richtige Berge und nicht Bodenunebenheiten..Die Taschenlampe kann ich jetzt in die Hosentasche stecken, weil es hell wird. Bei Illerkirchberg geht es hinunter zur Iller und am linken (württembergischen) Ufer entlang, bis ich bei Km 41 das Kloster Wiblingen erreiche.


Nach dem Klostergarten hat im letzten Jahr eine Markierung gefehlt, die Stelle habe ich mir eingeprägt. 2 Km weiter überquere ich den Fluß und dann verläuft die Strecke bis zur Mündung in die Donau entlang der bayerischen Uferseite. Über die Adenauerbrücke erreiche ich die Innenstadt von Ulm und es geht weiter am Fluß entlang bis kurz vors Donaustadion. Zwei Läufer überholen mich.


Im Stadion hat man die Streckenhälfte zurückgelegt. Ich schaue nach meinem Gangwerk und schmiere mit Creme aus dem Rucksack nach. Meine Pause dauert etwa 15 min, einige Mitstreiter hören hier auf. Meine beiden Bekannten Uwe und Harald kommen ins Stadion, als ich es verlasse. Sie haben anscheinend schon vorher abgebrochen.


Es geht zurück zur Donau und über eine Brücke zum rechten Ufer. Die nächsten 9 Km verlaufen immer am Fluß entlang. Auf der Höhe von Thalfingen wird die Uferseite gewechselt. Dann geht es links ab nach Oberelchingen. Im Dorf ist ein Bahnübergang und ausgerechnet ich muß etwa 4 Minuten aufs Weitergehen warten. Beim Briefing wurde eindringlich an alle Teilnehmer appelliert, die geschlossenen Schranken nicht zu missachten. Die Temperatur steigt in kurzer Zeit um mindestens gefühlte 10°C an.


Wir müssen an der Hauptstraße entlang nach Unterelchingen zur Napoleonrampe. Dieser Anstieg hat den Namen Berg verdient, er ist ca. 1,5 Km lang und die steilste Stelle hat etwa 20%. Oben kommen wir zum Kloster Oberelchingen bei Km 63. Dort bekommt ein Mitteilnehmer von den Sanitätern am VP eine markante Kopfbedeckung verpaßt. Ein bisschen sieht sie einer Pfarrersmütze gleich. Bei der Sonneneinstrahlung ist das nicht nur meiner Meinung nach auch dringend von Nöten. In Thalfingen bei Km 67 werden wir von der Feuerwehr direkt aus dem Hydranten mit Wasser versorgt.


Kurz vor der 70 Km-Marke klingelt mein Handy und Sepp erkundigt sich, wie es mir so ergeht. Man kann die Teilnehmer übers Internet verfolgen. Wieder ist die Strecke geändert. Dieser Abschnitt führt in einer Schleife zur Autobahn A 8, an ihr ein Stück entlang und dann nach Jungingen zum VP bei Km 75.Jetzt sucht man regelrecht den Schatten, wird aber nur noch in den seltensten Fällen fündig. Die nächsten 5 Km durch ein Gewerbegebiet zur Wilhelmsburg sind bekannt. Hier darf der Veranstalter scheinbar heuer nicht hinein.


Ich marschiere durch die Zeitmessung nach 11.45 h. Es lässt sich noch durchaus auf eine Endzeit von unter 15 h hoffen. In Lehr bei gut 84 Km werde ich abermals nach meinem Befinden gefragt. Soweit paßt es schon noch. Dann erreiche ich die “Mördersenke”. Man hat verschiedene Vorjahresteilnehmer nach Namen für einige Punkte befragt und der Name ist dabei herausgekommen.


Der folgende Weg durch den Truppenübungsplatz war schon im letzten Jahr recht entmutigend. Mähringen, in dem sich die 90 km-Marke befindet, liegt praktisch greifbar. Gefühlt geht man aber meilenweit davon weg.Mir ist für den TRÜPL der englische Begriff:Playground of the Devil’ s General eingefallen und man könnte an das Lied: Dieser Weg von Xavier Naidoo denken.


In Mähringen erkundigt sich der Fahrer eines VW-Busses nach dem Weg zu Start und Ziel. Es ist mein guter Bekannter Walter aus Nürnberg. Er hat sein Versprechen, uns evtl. zu besuchen, wahr gemacht. Ab jetzt ist jeder Km beschildert. Aufgrund der Hitze muß ich an jeder Wasserstelle etwas trinken und halte mich am VP bei Km 93 etwas länger auf. Bei Km 95 treffe ich noch mal Walter und habe kurz eine Radbegleitung. Dann marschiere ich durchs Kiesental in Richtung Blaustein und erreiche schließlich das Stadion. Wieder ist eine Dreiviertelrunde bis zur Ziellinie zu absolvieren.

Die Uhr ist im Gegensatz zum Vorjahr zu sehen, sie steht/hängt aber irgendwie bei 15 h 19 min. Meine genaue Endzeit ist 15.22.35 h und eindeutig der Hitze und den nahezu schattenlosen letzten 30 Km geschuldet. 


Ich bin damit als “Spaziergänger” nicht unzufrieden. Ich halte mich zum ersten Ausruhen längere Zeit im Zielbereich auf und treffe einige Bekannte, die entweder schon vorher aufgehört haben oder mir “nachfolgen”. Genug Gesprächsstoff gibt es jedenfalls. Nach gut 1 h wackle ich aufgrund schmerzender Blasen zum Auto und hole dort mein Duschzeug.


Inzwischen hat das WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien begonnen. Rudelgucken in der prallen Sonne tue ich mir jetzt nicht an... . Das erste deutsche Tor bekomme ich auf dem Weg zum Bad Blau mit. Drinnen ist irgendwie (wahrscheinlich wegen des Chlorwassers) eine Luft zum Schneiden und ich bin froh, als ich das Gebäude wieder verlassen kann. Dann hole ich noch den IVV-Stempel. Bald danach fahre ich in Richtung Heimat, unterbreche 2mal für eine Döspause. Etwa um 18.30 h erreiche ich Kaufbeuren. 


Mein Fazit: 



Wie viel Teilnehmer wirklich auf den 100 Km unterwegs waren, läßt sich nur recht schwierig herausfinden, weil man die Zahl der Nachmelder und Umentscheider nicht genau kennt. Nur135 haben ihn durchgehalten. (Zur Ergebnisliste kommt noch die Startnummer 79 hinzu, hier wurde versehentlich der Chip vertauscht).


Mein Respekt und meine Anerkennung für alle Finisher. Allerdings braucht sich niemand fürs frühere Aufhören zu schämen. Die enormen Temperaturen haben wohl bei den Meisten dazu beigetragen. 


Ich bedanke mich bei den vielen Helfern, die stets freundlich waren und beim Veranstalter fürs Einrichten der zusätzlichen Wasserstellen.


11 Teilnehmer sind für die WF Großaitingen unterwegs gewesen, 8 davon haben die 100 Km absolviert.


Ich finde, daß das durchaus erwähnenswert ist.

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