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Liebe Parki- und Wanderfreunde,


   am freitag, 13.06.08, fuhren wir um 07.41 uhr in buchloe mit dem zug
   über kaufbeuren - lindau - bregenz - st. margarethen - st. gallen -
   zürich nach biel / bienne. mit von der partie sind lilo, die mit dem
   zug aus münchen kam und wir in buchloe zustiegen, stephan aus
   buchloe, meine biggi & ich sowie manne, der in kaufbeuren einstieg.
   die angenehme fahrt endete um 13.13 uhr bei ankunft in biel /
   bienne. mit dem bus linie 1 gelangten wir zum orpundplatz und von
   dort noch 200 mtr. zu unserem quartier, der zivilschutzanlage sahligut.

   ich hatte für uns schlafplätze unten nebeneinander bestellt. es
   klappte alles bestens und so konnte ab 14 uhr die notwendige
   ruhephase vor dem lauf durch die nacht der nächte angegangen werden.
   während biggi & lilo sich ein bisschen die gegend zum
   start-/zielbereich erkundeten, haben manne, stephan & ich in den
   nachmittagsstunden ausgiebig ausgeruht.

   bereits um 16.30 uhr hatten wir die startunterlagen abgeholt. gegen
   18.45 uhr nahmen wir noch eine warme mahlzeit im quartier ein.
   anschliessend wieder ruhen bis 20.45 uhr. nun mußte die startnummer
   sichtbar plaziert werden sowie der datachip, dass er beim laufen
   nicht stört. um 21.15 uhr sind wir startklar und marschieren
   gemeinsam zum 1 km entfernt gelegenen startplatz an der eishalle.

   wie vereinbart, trifft daniela, mit der ich seit über zwei jahren
   eine total nette email-freundschaft pflege, mit ihren eltern ein.
   schnell machen wir uns bekannt und unterhalten uns. außerdem treffen
   wir harti scheuenstuhl mit freund paolo sowie walter kühnlein aus
   nürnberg.

   pünktlich um 22 uhr fällt der startschuss und die rd. 4000
   ausdauersportler kommen langsam in bewegung. die lilo & ich haben
   eine gemeinsame strecke von gut 56 km vor uns und wir marschieren im
   6 km/h durch die mit zigtausenden zuschauern gefüllte stadt. wir
   erleben den marsch in einer großartigen atmosphäre, die zuschauer
   feuern den letzten wie die ersten an. wir sind begeistert. nach etwa
   6 km kommt ein langer anstieg nach port, wo ich bereits zum ersten
   mal einen langsamen joggingschritt wähle, weil große gehschritte
   bergauf nicht immer funktionieren.

   das wetter ist bestens, die temperaturen fallen nachts unter 10
   grad. nach gut drei stunden erreichen wir aarberg und passieren die
   bekannte holzbrücke, wo wir fotografiert werden. bald ist die 20 km
   marke erreicht und wir kommen ganz gut voran. wir passieren die
   stadt lyss und nun geht es kräftig ansteigend richtung scheunenberg.
   ich komme den ersten teil des anstiegs problemlos durch. wegen der
   tabletteneinnahme bleiben wir kurz stehen und da es ziemlich dunkel
   ist, vergehen wenige minuten, bis ich wieder startklar bin. diesen
   moment nutzt sir james, um mich zu ärgern. die lilo stellt mir ein
   bein, sagt zu mir "mach große schritte josef" aber immer wieder
   stockt es. mir nichts neues und so kämpfen wir weiter und weiter. im
   weiteren verlauf kommen wir nochmal an einen steilen aufstieg, den
   ich rückwärts gehend passiere, während lilo mich führend unter den
   arm greift und wirklich ihren job hervorragend macht.

   gegen 6 uhr früh sind wir bei km 38 in oberramsern und wollen nun
   etwas gas geben, weil meine biggi in kirchberg bei km 56 wartet. wir
   kommen gut zurecht und erreichen um 09.45 uhr kirchberg. ich nehme
   eine 20 min. pause und lege die beine etwas hoch. zwölf stunden bin
   ich nun unterwegs und weitere 44 km stehen noch bevor. kann ich das
   wirklich schaffen ? ich muss mit weiteren zehn stunden rechnen, um
   das noch sehr, sehr weit entfernte ziel zu erreichen. aber ich sage
   mir, alleine will ich jetzt biggi auch nicht gehen lassen. und
   schliesslich habe ich mir ja vorgenommen, einen jahrelang
   anvisierten traum zu erfüllen.

   ich bin entschlossen, zehn jahre nach der diagnose parkinson die
   komplette 100 km strecke nonstop zu erwandern, wobei mir die zeit
   zweitrangig ist.

   um 10.05 uhr ist biggi startklar und ich setze meinen körper in
   bewegung, langsam, aber ich muss weiter gehen, noch rd.75.000
   schritte bis ins ziel. wir nähern uns dem sog. ho-tschi-minh pfad,
   ein etwa 10 km langer steiniger, teilweise schmaler waldweg, der
   konzentriertes gehen erfordert. ich denke mir, lieber parki, gib
   bloß ruhe. ich muss da gut durchkommen. es läuft tatsächlich recht
   ordentlich. ich denke mir gut die hälfte ist geschafft und mit jedem
   schritt wird es weniger.

   in kirchberg wurden wir noch von den für die sicherheit der
   teilnehmer verantwortlichen gefragt, ob wir wirklich die ganzen 100
   km gehen wollen ? antwort ja wir wollen es versuchen. da die
   nächsten 10 zehn kilometer nur per fuß zu durchqueren sind, wurde
   ein soldat abgestellt, der uns anfangs begleitete. er fragte mich,
   ob biggi frisch eingestiegen sei oder bereits wie ich seit gestern
   abend 22 uhr unterwegs ist. ich sagte sie ist die 2. teilnehmerin
   der kategorie SIE + SIE und hat jetzt 44 km zu gehen. damit war für
   ihn die sicherheit gegeben und er marschierte zu. an der
   verpflegungsstelle gerlafingen im wald trafen wir ihn wieder. hier
   bot sich die gelegenheit, auf die toilette zu gehen. viele
   ausdauersportler wissen, wie beweglich man nach rd. 70 km marsch zur
   verrichtung bestimmter menschlicher bedürfnisse ist. das
   abbaukommando war voll im gange, ich hatte schon sorge, dass der
   wc-wagen abtransportiert wird, während ich noch meine sitzung
   abhalte. nach gut 15 min. aufenthalt ging es weiter.

   nun war es vorbei mit den schattigen waldabschnitten, zumindest für
   die nächsten zehn km. die strecke führte nun über große
   getreidefelder nach ichertswil, weiter nach bibern, wo wir die
   beruhigende aussage erhielten, jetzt führt die strecke nur einen 15
   min. andauernden anstieg richtung arch. die steilheit erforderte
   wieder meinen rückwärtsgang gemäß dem motto : auch wer langsam
   wandert, kommt ins ziel. oben angelangt, ging es nach etwa 1 km doch
   längere zeit sehr angenehm talwärts nach arch. dort angekommen bei
   km 81.8 hatte ich das bedürfnis, mich mal ein bisschen zu setzen und
   so tat ich das auf einer sommerbank an einem nahe gelegenen
   bauernhof. nach 10 min. pause kam biggi und wir marschierten weiter
   richtung büren an der aare.

   nun galt es, sieben kilometer immer am fluß entlang bis nach büren
   zu wandern. ich hatte seit wenigen km einen stein im rechten schuh,
   der mich ganz schön zwickte. als wir an einem wochenendhäuschen
   vorbeikamen, entfernte ich den stein, was aufgrund meiner
   eingeschränkten beweglichkeit mindestens 15 min. dauerte. in büren
   angekommen, suchte ich wieder eine bank um auszuruhen. nach 5 min.
   war bereits die aufsicht da und ich wurde gefragt, ob ich bis zum
   ende gehen kann. antwort von mir - ich ruhe noch 5 min. dann gehe
   ich weiter.

   der wegverlauf gefällt uns sehr gut. wir kommen an einer
   riesengroßen gärtnerei vorbei und bewundern die vielfalt, die
   schönheit und die größe mancher gewächse. nach einer guten halben
   stunde taucht die 90 km marke auf. biggi & ich staunen nicht
   schlecht, als plötzlich uns manne entgegenkommt. er hatte mir fest
   versprochen, wenn es ihm nach seinen 100 km gut geht, mir entgegen
   zu gehen und bis ins ziel zu begleiten. manne war nach 14.33 std im
   ziel.

   im dreier-team gehen wir nun gemeinsam dem ziel entgegen, manne ist
   total begeistert wie gut es mir geht. wir ratschen so dahin und
   nehmen eine leichte steigung vor pieterlen ganz entspannt. nun will
   ich bald fertig werden und beginne bei km 92 zu joggen, was bis km
   93.5 bestens klappt. nun geht es hinunter nach pieterlen, km 94.0.
   wir erhalten kuchen und getränke, ruhen etwas. die restlichen 6 km
   schaffen wir auch noch - sagten wir.

   wir staunten nicht schlecht, als wir sogar an der letzten
   verpflegungsstelle im wald bei km 96.5 persönlich mit getränken und
   nahrung versorgt wurden.

   um 20.11 uhr war es soweit. wir wurden von einer kleinen gruppe
   begeistert empfangen und fotografiert. das ziel war erreicht. nach
   22 stunden 11 minuten hatte ich die 100 km nach 5-jähriger
   unterbrechung dank der liebevollen unterstützung von lilo, brigitte
   & manne geschafft.

   an dieser stelle danke ich allen helferinnen und helfern, die mit
   ihrer tatkräftigen unterstützung zum wohle der teilnehmer
   beigetragen haben. besonderer dank an unsere permanente begleitung
   einschliesslich besenwagen, die in sehr freundlicher art und weise
   uns fürsorglich auf den letzten 30 km begleiteten. herzlicher dank
   an alle organisatoren und sonstige personen, die zum gelingen der
   schönsten ultra-veranstaltung, die seit 1990 mein leben positiv
   bereichert, mitgewirkt haben.

   abschließend hoffen meine begleiterinnen und ich, dass unsere
   leistung auch den weg in die statistik findet und wir, wie
   versprochen, bald die auszeichnungen auch tatsächlich erhalten werden.

   ich bin überglücklich und fühle mich als der held von biel 2008.


   gruß

   bieljoe

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