B)
100 KM VON BIEL Freitag, 13/06/2008
Um
7 Uhr früh verlasse ich meine Wohnung und gehe zum 2,5 Km entfernten Bahnhof. Ich
kaufe unterwegs im Handelshof noch frische Semmeln und eine Flasche Rotwein
ein. Vor knapp 4 Wochen bin ich in einer
Zeit von 10.10h den Rennsteig-Supermarathon, 72,7 Km, marschiert. Das
Marschieren liegt mir viel besser als das Laufen. Walking (neudeutsch
bezeichnet) ist bei Laufveranstaltungen zwar im Programm, findet aber nur auf
kürzeren Strecken statt. Es gibt aber nur selten eine Wertung und ist irgendwie
ein Anhängsel. Ultralange
Strecken reizen mich besonders und da kann ich als Marschierer einiges
herausholen. Solange man im Zeitlimit bleibt, ist es eigentlich egal, wie man
sich bewegt.
Offiziell
heißt es zwar: Bieler Lauftage, es ist aber aus einem Marsch entstanden. Heute Abend
geht es weiter, für mich wird es der 6. Start sein. Insgesamt zum 11. Mal diese
Streckenlänge. Bis gestern früh hatte
ich Nachtschicht und um den Rhythmus nicht zu unterbrechen, bin ich nicht ins
Bett gegangen.
Um 7.50 Uhr steige ich in
den Regionalzug nach Kempten. Biggi, Sepp und Stephan sind in Buchloe
eingestiegen. Lilo kommt von München. In
Kempten haben wir 20 min Aufenthalt und steigen dann in den Intercity nach St.
Gallen um. Am Bodensee beginnt es zu regnen, man sieht eine ziemlich nasse
Landschaft vorbeiziehen. Insgeheim denke ich an die Regenschlacht vom Jahr 2001
zurück, als es nach 3 Km begonnen und bis zum Veranstaltungsende nicht mehr
aufgehört hatte. Hoffentlich nicht noch einmal... In
St. Gallen steigen wir nochmal um. Es hat zu regnen aufgehört. Im Zug ist es
ziemlich laut, wegen der Fußball-EM sind viele Fans unterwegs. Die Fahrt geht
über Zürich-Flughafen, Aarau und Olten nach Biel. Wir müssen mit der Buslinie 1
zum Eisstadion hinausfahren. Dort stellen wir fest, dass die Startunterlagen
erst ab 16h erhältlich sind. Naja, wegen Umleitungen fahren wir dann (eine
kleine Stadtrundfahrt) über den Bahnhof zum Orpundplatz. Nach 200 m zu Fuß sind
wir dann in unserem Hotel "Sahligut". (Zivilschutzbunker)
Wir
hatten uns vorangemeldet, da wegen des diesjährigen Jubiläums die Plätze
heißbegehrt und ziemlich schnell vergriffen sein würden. Nach dem Bezahlen und dem
"Zimmerbezug" gehe ich zum Coop-Markt und kaufe dort einen großen
Becher
Joghurt und eine Dose Penaten-Creme. "Schmieren und Salben hilft
allenthalben", diesen Spruch beherzige ich eigentlich schon immer.Nach
der Rückkehr esse ich den Joghurt, der hat mich richtig angemacht. Danach
bin ich recht müde und ich lege mich lang. Bald stelle ich fest, dass es hier
ziemlich zieht. Das kommt wahrscheinlich von der Klimaanlage. Dagegen hilft
eine lange Hose und eine Decke, die mir Lilo ausleiht. Mein Schlafsack ist für
den Winter ausgelegt und ich habe ihn deshalb nicht mitgenommen.
Um
ca. 17.45h gehe ich zum Eisstadion und hole dort meine Startunterlagen. Auf dem
Rückweg treffe ich Uwe und Harald, die ich
von gemeinsamen Wanderungen kenne. Uwe betont immer, dass ich ihn zur
Biel-Teilnahme animiert hätte, praktisch also schuld daran bin. Mit dieser
Schuld kann ich allerdings bestens leben. Zurück im Sahligut, dort esse ich
eine ordentliche Portion vom mitgebrachten Wurstsalat. Eine gute Grundlage ist
auf jeden Fall vonnöten. Die Verpflegung
ist zwar gut und ausreichend, eine richtige Mahlzeit kann sie aber nicht
ersetzen .Danach beginne ich so langsam mit den Vorbereitungen. Die
Entscheidung kurze oder lange Hose ist nach Wetterberichts-Studium klar: Es
soll Temperaturen von 6 Grad in der Früh und eine Regenwahrscheinlichkeit von
10% haben. Einer
meiner Bettnachbarn nimmt zum 1. Mal teil und hat natürlich die eine oder
andere Frage. U.a. danach, was ich mir vorgenommen habe. Antwort: Hauptsache
ist das einigermaßen gut durchkommen. Wenn dann noch eine persönlich gute Zeit herauskommt,
kann man mehr als zufrieden sein.
Mein
Freund Sepp lebt seit mehr als 10 Jahren mit der Parkinson-Krankheit. Bis zum
Jahr 2002 hat er hier insgesamt 12mal den 100 Km-Lauf geschafft, bei seinem 1.
Start musste er nach 82 Km aufgeben. Seit ca. 3 Jahren träumt er davon, noch
einmal dabei zu sein und möglichst weit zu kommen. Einige seiner Bekannten
haben sich für eine Verlängerung des Zeitlimits auf 24 Std. beim OK eingesetzt,
dies ist wegen der Auflagen leider abgelehnt worden. Da es in dieser Zeit
einige Rückschläge gab, musste eine Strategie gefunden werden: Lilo
(selbst von der Krankheit betroffen) begleitet ihn bis Kirchberg, Km 56. Dort
übernimmt seine Frau Biggi. Die beiden Frauen bilden ein Team (Sie + Sie - Wertung). Als
bescheidenen Freundschaftsdienst meinerseits habe ich versprochen, bis zum
Zusammentreffen mit hoffentlich Beiden entgegenzugehen und sie dann bis zur
Ziellinie zu begleiten. Gewisse Restzweifel kann ich allerdings nicht
verhehlen, weil 21 Std. knapp bemessen sind.
Um
ca. 21.10 h schlendern wir alle zum Eisstadion. Dort haben wir ein Treffen mit
Daniela, einer Schweizer E-Mail-Bekanntschaft sowie Hardy und Paolo aus der
Gegend von München vereinbart. Daniela erscheint mit ihren Eltern und so lernen
wir uns endlich persönlich kennen. Dann reihen wir uns ins Starterfeld von etwa
3000 Personen ein. Insgesamt gibt es heuer (alle Strecken eingerechnet)
aufgrund des 50jährigen Jubiläums einen neuen Teilnehmerrekord von über 5100. Wir
wünschen uns gegenseitig Glück, das kann man bei dem Vorhaben immer brauchen.
Der
Startschuss fällt pünktlich. Die Spitzenläufer bekommt man gar nicht zu
Gesicht. Wir im hinteren Feld brauchen erst mal einige Minuten, bis wir die
eigentliche Startlinie erreichen. Diese Zeit bekommt man woanders
gutgeschrieben, hier leider nicht. Eigentlich ist das nicht korrekt. Das kann
in der Endzeit eine Rolle spielen, wenn es um eine Stundengrenze geht. Stephan
und ich hatten 2002 mit 13.59.00 h unsere Bestzeit hier in Biel, kurz danach
kam ein Läufer ins Ziel, der mir dann seine Urkunde zeigte: 14.00.05,7 h. Den Ärger sah
man ihm deutlich an. Erst
nach einigen hundert Metern kann man das Tempo anziehen, weil mehr Platz ist. Die
Strecke führt zunächst durch die Straßen von Biel. Nach meinem Eindruck sind
aber heuer wesentlich weniger Zuschauer. Ich erkläre mir das damit, dass
gleichzeitig das EM-Spiel Frankreich-Holland läuft. Die Veranstaltung hat in
der Stadt und der Region bestimmt großen Stellenwert. Kleine Kinder stehen am
Straßenrand und halten ihre Hände hoch zum Abklatschen. Dafür nehme ich mir
gern ein bisschen Zeit. Bis zur Aare-Brücke am Stadtrand unterhalte ich mich
mit 2 etwa gleich schnellen Läufern, die ich
aber dann aus den Augen verliere. Stephan habe ich nochmal kurz in der
Stadt gesehen
.
Nach
der Brücke kommt die Ortschaft Port, mein Familienname ist identisch. Hier ist
der erste Anstieg und die Meisten hören mit dem Laufen auf. Hier kann ich meine
Qualitäten ausspielen und eine kleine Show bieten. Insgesamt gesehen sind die
Berge eher harmlos. Ich hatte bei verschiedenen Veranstaltungen ganz andere
Kaliber vor mir. Ich
kann keinesfalls die Aussage einer Duisburger Läuferin bestätigen, dass Biel
eine bergige Strecke sei. Ich sehe einige bekannte Gesichter. Besonders
herzlich werde ich von Hans begrüßt, mit dem ich am Rennsteig eine Weile unterwegs
war. Er ist mehrfacher Finisher des Deutschlandlaufs. Wenn
es wieder bergab geht, ist es eh schnell aus und vorbei mit der Herrlichkeit
und ich sehe fast alle wieder, die ich bergauf überholt habe. Es
folgt eine Kiesstraßen-Passage. Hier ziehen die Marathon- und
Halbmarathon-Spitzengruppe sowie die Staffeln in einem Mordstempo vorbei. Da
kann man nur noch ausweichen, keinesfalls mithalten.
Kurz
nach Mitternacht durchquere ich Aarberg. Die Holzbrücke über die Aare ist eines
der Highlights der Strecke. Etwa ab Km 20 macht sich mein Rücken durch Stiche
ab und zu schmerzhaft bemerkbar und zudem ist es ganz schön frisch geworden.
Also ziehe ich meine Jacke an und reduziere mein Tempo. Es
scheint allerdings immer noch schnell genug zu sein, weil man mich darauf
anspricht. Spaßeshalber sage ich, dass es für einen Spaziergänger ganz gut sei
und ernte Gelächter. Ich versuche, möglichst gleichmäßig zu bleiben, das ist
bestimmt besser und nicht so anstrengend als ein ständiger Tempowechsel. Früher
ging es außen herum, heuer durchquert man Lyss. Das ist mir neu, gefällt mir
aber recht gut. Im weiteren Verlauf ist wieder ein Berg zu überwinden und nach
ca. 31 km kommt die lange, schnurgerade Straße nach Oberramsern. Dort komme ich
um 3.05h an. Die erste Teilstrecke ist vorbei und es wird die Zeit genommen. Unmittelbar
nach der Verpflegung ergibt sich die Gelegenheit, mich um meine Gebeine zu
kümmern und schmiere nach. Nach
ein paar Minuten gehe ich weiter. Es folgt ein weiterer leichter An- und
Abstieg in Richtung Jegenstorf. Es fängt an zu dämmern. Viele schalten aber
immer noch die Stirn- oder Taschenlampe fleißig ein. Ich bin ein
"Lichtschnorrer". Es gibt durchaus einige wenige dunkle Ecken,
größtenteils ist sie aber nicht notwendig.
Nach
Jegenstorf wird die Streckenhälfte erreicht. Knapp unter 7h bis jetzt. Die
Spitze ist im Ziel, ein Wahnsinn...Vor Kirchberg hätte man bei gutem Wetter
einen tollen Blick zu den Berner Viertausendern. Leider ist es aber viel zu
bewölkt. Am Ende der 2.Teilstrecke sieht man schon erste Leidensbilder. Ich
halte die Pause kurz und mache mich auf den Weiterweg. Das Wetter verbessert
sich und die Sonne lässt sich sehen. Jetzt kommt der sogenannte
Ho-Chi-Minh-Pfad, er ist ein (an ein paar Stellen) etwa 1.5 mtr. breiter und grobschottriger
Weg am Emmendamm entlang. In der Nacht und bei schnellem Tempo gibt es
bestimmt etwas Schwierigkeiten. Bei Km 62 geht es zunächst an einer Mauer und
an einer großen Kläranlage weiter. Bei Hitze ist dieser Abschnitt angenehm,
weil schön schattig. Ich unterhalte mich ein bisschen mit einem netten jungen
Paar aus Berlin. Bei Gerlafingen geht es wie bei einer Sepentine scharf links
und dann ist man wieder auf der freien Fläche. Das 70 Km-Schild erreiche ich
nach 10.04 Std. Mein Rücken wird besser, die Beine sind schon schwerer. Ab Lohn
geht es ziemlich eintönig bis Bibern an und auf der Hauptstraße. Jetzt wird es
Zeit, den Kampfgeist herauszulassen.
In
Bibern ist die Teilstrecke 3 zu Ende. Der Aufenthalt dauert länger, weil ich
nochmal meine Füße schmiere und meine Jacke abgeben will, es ist nicht gleich
Jemand ansprechbar. Weiter geht es über einen Berg nach Arch, das kommt mir relativ
kurz vor. Der folgende Abschnitt entlang der Aare zieht sich allerdings wie ein Kaugummi, die 85 Km-Marke lässt
auf sich warten. Besonders bei Hitze empfehle ich, in Arch lieber einen oder
zwei Becher mehr zu trinken. Heute geht es einigermaßen. In
Büren entferne ich Steine aus den Schuhen, die lassen sich partout nicht
festtreten. Dabei schreckt mich die Sirene von einem Ausflugsschiff hoch. Die
Aare wird ein letztes Mal überquert, danach kommt eine Gärtnerei und das
90er-Schild folgt. Auf
dem Weg über einen (der letzte) Anstieg überholt mich ein blinder Läufer mit
seinem Begleiter. Mein großer Respekt gilt den Beiden. Der Begleitläufer muss
die ganze Zeit hochkonzentriert sein. Pieterlen ist erreicht, Km 94. Jetzt kann
man davon ausgehen, dass man es bald geschafft hat.
Ab
Km 95 steht an jedem Km eine Tafel. Es geht entlang der Bahnstrecke und
schließlich sieht man die ersten Industriegebäude von Biel. Nach einer Unterführung und dem Überqueren der Hauptstraße taucht die 99er-Tafel auf. Hier
soll man lt. Ankündigung im Prospekt als besonderen Gag durch ein Fahnenmeer
laufen. Meinem Eindruck nach ist aber gerade Ebbe oder es schon gar ausgetrocknet. Vor genau 10 Jahren lief man mitten durch ein Bierzelt und im
Jahr 2002 über die Seebrücke anlässlich der Schweizer Expo. Das
habe ich als Highlight empfunden... Egal,
ich setze zum Endspurt an. Nach 14.33.19 Std. ist die Ziellinie erreicht. Mit
dieser Zeit bin ich zufrieden. Um schneller zu sein, muss halt auch vieles
zusammenpassen. Außer einer mittelgroßen Blase am rechten Fuß gibt es bei mir
keine Blessuren. Es gab Jahre und auch andere Veranstaltungen, in und bei denen
mein Zustand wesentlich schlimmer war. Anderen
geht es schlechter, wenn man in die Gesichter blickt. Ein Mann sitzt neben mir
und muss von 3 Leuten beim Ausziehen der Schuhe unterstützt werden. Ein
großes Lob haben die Sanitäter und die vielen Helfer verdient, denn sie haben alle Hände voll zu tun. Nach
ein paar Minuten Verschnaufpause hole ich in der Eishalle meine Medaille und
Sonstiges ab und halte danach Ausschau nach der
Fahrbereitschaft hinüber zum Sahligut. Sie ist nicht da, also gehe ich zu Fuß.
Als
erstes ist Duschen angesagt, auf dem Weg sehe ich Stephan gerade aus dem VW-Bus
steigen. Er fragt mich, ob ich noch alles bekommen hätte. Medaillen und T-Shirt`s
seien ausgegangen. Man hätte auf jeden Fall die Voranmelder bevorzugen müssen. Ich
will aber nicht zu viel herumkritisieren, das Organisieren einer solchen
Veranstaltung ist eine Mordsarbeit. Frische
Sachen am Körper sind eine Wohltat....Ich lege mich ein bisschen auf die
Pritsche zum Dösen.
Um
ca. 15.45 Uhr breche ich erneut zum Eisstadion auf, um meine Jacke abzuholen und
um mein Versprechen einzulösen. Ich treffe einige Bekannte und frage nach, wie
es ihnen so ergangen ist. Eine SMS von Biggi erreicht mich, dass sie und Sepp
in Arch seien. Ich schreibe zurück, dass ich unterwegs bin. Also schaut es doch
schon mal recht gut aus. Ich schreibe noch meiner Freundin Christa, die auf
meine Meldung bestimmt schon gewartet
hat. Ihre schnelle Antwort freut mich. Man
hätte sich auch anhand der Startnummer informieren können, aber bei dem Betrieb
kann das dauern und so lasse ich es. Meine
Jacke erhalte ich nicht im Eisstadion, sondern in der Curling-Halle. Dann
gehe ich ganz gemütlich in Richtung Pieterlen und habe für jede/jeden
entgegenkommende/n 100er-Teilnehmer aufmunternde Worte übrig. Zwei
Bekannte treffe ich, Barbara aus Kirchberg (CH) und Walter aus Nürnberg. Die
etwa 28 Tropfen, die aus einer dunklen Wolke fallen, sind kaum der Rede wert.
Das Wetter hat mitgemacht.
In
Pieterlen gönne ich mir ein Bier. Danach gehe ich über den Berg und die freie
Fläche zum Waldrand und sehe schon die 90er-Tafel. Kurz davor 2 Personen mit
unverwechselbarem Schritt: Biggi und Sepp. Zu Dritt erreichen wir nach einer
guten dreiviertel h Pieterlen. Ein großes Lob zolle ich den sehr freundlichen
Verpflegern, die uns kostenlos Kaffee und Kuchen anbieten. Eine tolle Geste.
Sie hätten ja schon Feierabend. Auch
die letzte Verpflegung hat noch nicht zu und wir können etwas trinken. In
Begleitung des Besenwagens marschieren wir weiter. Schließlich empfängt uns am
Eisstadion eine kleine Gruppe und klatscht Beifall. Ich laufe ein Stück voraus
und mache ein Foto vom Zieleinlauf meiner Freunde um genau 20.11 h.
Sepp
hat sich seinen Traum erfüllt, Hut ab vor dieser grandiosen Leistung. Das
Zeitlimit hat zwar nicht ausgereicht, aber das spielt überhaupt keine Rolle.Hoffentlich
wird das vom OK anerkannt und eine Urkunde sowie Medaillen und T-Shirts
nachgereicht. Wenn es sich querlegt ,kann man immer noch auf einer leeren
Urkunde bestehen, in die man dann die Zeit eintragen kann. Ich
gehe zu Fuß zum Sahligut, es fährt kein Bus mehr. Walter nimmt Biggi und Sepp
im Auto dorthin mit. Später wollen wir ein bisschen feiern. Ich stelle fest, dass
ich keinerlei Becher mitgenommen habe und so bleiben meine 2 Flaschen Rotwein
zu. Ein Kiosk in der Nähe hat geschlossen und so mache ich mich auf den Weg zur
Tankstelle und besorge Bier. Jetzt
war ich wirklich lang genug auf den Beinen. Beschweren will ich mich aber
nicht, bei wem auch? Man könnte sich vor einen Spiegel stellen und
der-/demjenigen, die/der herausschaut, gründlich die Meinung sagen. Sofern eine
Audienz gewährt wird...
Heute,
Sonntag 15.06.08, stehen wir zeitig auf. Allerdings fahren wir einen Bus zu früh zum Bahnhof und
verbringen etwa eine dreiviertel h am Bahnsteig. Der Zug fährt um 7.50 Uhr über
Delemont, Basel, Karlsruhe, Stuttgart und Augsburg zurück. Lilo ist bereits
gestern abgereist. Wir
treffen noch Günter aus Waldshut, er ist 70 Jahre alt und war ebenfalls beim
100er dabei. Da er taub ist, liest er von den Lippen ab. In den Urkunden stehen
die Bestzeiten, seine ist 8.26 Std ! Heuer hätte er 14.36 Std. gebraucht, das ist
immer noch aller Ehren wert. Ich
meine, ihn gestern schon gesehen zu haben, war mir aber nicht ganz sicher.
In
Buchloe steigen Biggi, Sepp und Stephan aus. Ich fahre weiter nach Kaufbeuren. Nach
einem kleinen Fußmarsch sperre ich genau um 16 Uhr meine Wohnungstür auf.
Einige
Monate später wurden Biggi, Lilo, Sepp und Stephan die Medaillen, Urkunden und
T-Shirts nachgereicht. Die grandiosen Leistungen von Sepp und andere/n
behinderten Finishern sollten nach meiner Meinung neben den Siegern
Einzug
in die Annalen halten. Ich habe in einem Gästebucheintrag den Vorschlag
gemacht. Für mich sind das die wahren Heldinnen und Helden von Biel. Mein
kleiner Beitrag zu Sepps Unterstützung war für mich Ehrensache und ich habe das
gern gemacht.