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Mit Sir James auf dem 1. Ultra-Marsch im Westerwald von der Fuchskaute nach Ebernhahn über 60 km

 

Liebe Wanderfreunde,

 

am vergangenen samstag haben meine biggi & ich mit freunden am ersten Ultra-Marsch durch den Westerwald teilgenommen. Wir sind bereits am freitag in ebernhahn mit dem zug angereist und wurden am bahnhof montabaur vom veranstalter abgeholt. nachdem das schlaflager in startnähe bezogen war, erkundeten wir die unmittelbare umgebung. im nachbarort wirges nahmen wir bei herrlichem wetter das abendessen im biergarten ein, während es in der heimat im allgäu ergiebig regnete.

Am Samstag früh stellte der Veranstalter ab 4 Uhr früh für die 226 Teilnehmer ein Frühstück bereit, damit alle gestärkt an den start gehen konnten. bereits um 5 uhr fuhren vier busse im konvoi zum höchsten punkt des westerwaldes zur fuchskaute bei willingen. kurz vor 6 uhr gab es dann den startstempel und der lange marsch konnte beginnen.

meinen start wollte mein parki nicht zulassen und so mußte ich bis 06.45 uhr warten, bis die tabletten wirkten. irgendwie lief es aber nicht rund bei mir und so mußte ich häufig in die trickkiste greifen. wenn es vorwärts nicht so recht wollte, drehte ich mich um und marschierte rückwärts.

nach 1,5 std hatten wir satte 4 km geschafft und das wetter wie auch die strecke erfreuten jedes wanderherz. mein parki funkte immer wieder massiv dazwischen, aber wir waren bereit, den Kampf anzunehmen und fest entschlossen, ihn auch heute in die schranken zu weisen. wenn das gehen probleme bereitete, mußte ich langsam joggen oder rückwärts gehen.

die landschaftlich ausgesuchte traumstrecke mit herrlichem fernblick führte über den salzburger kopf - hof - nisterau - bad marienberg - büdingen - großer weißenstein - erholungsgebiet dreifelder weiher - westerwalder seenplatte - frfeilingen - maxsain - quirnbach - niederdorf - wirges - ebernhahn.

die versorgung durch den veranstalter war spitze und unser bedarf an getränken sehr groß. wir kamen nur zäh voran und waren nach acht stunden erst bei km 25. unsere begleiter harry und wolfgang sahen, dass ich nicht meinen besten tag hatte und wanderten deshalb mit uns weiter. harry begleitete uns bis km 35, wolfgang blieb bis zum ziel bei uns.

gegen 18 uhr waren wir bei km 40 an der seenplatte gestärkt zum abmarsch bereit, aber sir james wollte mich nicht ziehen lassen. so wurde uns klar, dass es spät wird, bis wir das ziel erreichen werden, immerhin lagen noch 20 km vor uns. der kampfgeist war ungebrochen und biggi die beste begleiterin, die man sich vorstellen kann. ich wurde gefragt, ob ich mich nicht vom roten kreuz ins ziel fahren lassen wollte. ich habe dankend abgelehnt. ein großes problem habe ich, wenn ich an einem punkt länger stehen bleiben soll. dann sind startschwierigkeiten vorprogrammiert, man nennt dies heute "freezing".
 
nach gut 50 km kam ein versorgungsfahrzeug entgegen und versorgte uns ausreichend mit getränken. der fahrer meinte, wir könnten im übernächsten dorf gut essen gehen. uns war aber gar nicht danach, wir wollten weiter marschieren, und unbedingt das ziel erreichen. von privater seite bekamen wir noch unsere wasserflaschen aufgefüllt und so waren wir insgesamt für die restlichen km gut gerüstet.
 
unser größter feind in dieser ausgeprägten waldgegend  war die herannahende dunkelheit. brigitte wurde schon leicht nervös. ich sagte ihr, dass packen wir schon bis zur ortschaft wirges, es kann nicht mehr weit sein. hie und da leichte orientierungsprobleme wegen fehlender markierung kosteten uns unnötig zeit und die kräfte schwanden. 
 
aber das letzte waldstück konnten wir dann wegen völliger dunkelheit doch nicht mehr passieren und so mußten wir die beleuchtete hauptstraße entlang einen kleinen umweg über den firmenkomplex oberland in kauf nehmen, um letztendlich ins ziel zu kommen. einen km vor dem ziel pausierte ich noch auf einer ruhebank. mein körper kochte, obwohl ich seit 08.00 früh nur ein langärmeliges laufhemd trug. es kam mir vor, als hätte ich einen pelzmantel an. mit letzten kräften rückwärtsgehend erreichten wir um 22.45 uhr überglücklich das ziel.
 
nach insgesamt 82.677 schritten und 67.164 davon im zügigen wanderschritt hatten wir 16.45 std. bei einer reinen gehzeit von 10 std. 11 min. die 60,4 km ultrastrecke durch den westerwald gemeistert. ein dickes lob an wolfgang & harry und ein ganz besonderes natürlich meiner biggi.
 
abschleßend sei noch erwähnt, dass in der halle das gerücht umging, wir hätten eine kneipentour gemacht. diesen experten hinsichtlich beurteilung eines aktiven sportlers mit handicap sei gesagt, dass ich mit einem gesunden körper vermutlich nicht länger als 8 Stunden gebraucht hätte. Eine 60 km Strecke mit Parkinson im weit fortgeschrittenem Stadium erfolgreich zu absolvieren und über 16 Stunden auf den Beinen zu stehen, ist absoluter extremer Ausdauersport, der nur aufgrund meiner langjährigen Erfahrung und meinem ungebrochenen Durchhaltewillen sowie meiner Begleitung möglich ist.

viele grüße

bieljoe
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