Als Highlight für das Jahr 2008 hatte ich mir vorgenommen, die Laufserie "Europacup der Ultramarathone" erfolgreich zuabsolvieren. Das ist mir gelungen. Dazu ist die Teilnahme an mindestens drei von insgesamt fünf Veranstaltungenerforderlich und man muss im Zeitlimit bleiben.
Hier nun meine persönlichen Eindrücke:
A) RENNSTEIG-SUPERMARATHON Eisenach - Schmiedefeld, 72,7 Km:
Freitag, 16/05/2008:
Nachdem ich ein paar Tage mit meiner Freundin in Parsberg verbracht habe,verabschiede ich mich nach ihrer Mittagspause von ihr und reise mit dem Auto über Nürnberg bis in die Nähe von Würzburg nach Dettelbach am Main. Ich hatte mich trotz der hohen Spritpreise dafür entschieden. Ein etwas günstigeres Bahnangebot gab es zwar, aber ich muss am Sonntagfrüh wegen meiner Nebentätigkeit wieder zuhause sein. Zudem wäre bei der Rückfahrt ein gut vierstündiger Aufenthalt in Augsburg dazugekommen. Den hätte ich zwar durch Anreise dorthin vermeiden können, in der Innenstadt wird allerdings überall Parkgebühr verlangt. Im Endeffekt kommt das mindestens genauso teuer.
In Dettelbach gibt es einen permanenten IVV-Wanderweg von 15 Km Streckenlänge. Ich erwerbe die Startkarte in einem Hotel und wandere (um mir die Beine zu vertreten) zunächst durch den Ort und später durch Weinberge. Danach hinunter zum Main und etwa 1,5 km an ihm entlang. Ich setze mit der Fähre (Kontrollstempel) hinüber. Die restliche Strecke führt durch Felder zur nächsten Mainbrücke, dann an einem Ortsrand bergauf und schließlich wiederum durch Felder zurück nach Dettelbach.
Danach besuche ich meine Wanderfreunde Brigitte und Henry. Ihr Sohn Rainer ist einer der besten Ultralangstreckenläufer Deutschlands. Ich erfahre, dass er ebenfalls am Rennsteiglauf teilnehmen will. Man hätte sich zusammentun können, meint Brigitte. Mein PC war wochenlang defekt und so konnte ich keine Mails empfangen/senden. Rainer wäre es auch bestimmt unangenehm gewesen, auf mich stundenlang warten zu müssen und ich weiß auch nicht, wie seine Pläne für Sonntag sind.
Um 19 h breche ich zur Weiterfahrt auf. Ich fahre nach Schweinfurt zur Autobahn, in Meiningen verlasse ich sie und fahre auf der Bundesstraße landschaftlich reizvoll nach Eisenach und komme dort etwa um 22.15h an.
Wegen der paar Stunden bis zum Start um 6 h spare ich mir das Geld für ein Quartier. Ich gehe noch zum Marktplatz, die Startunterlagen bekomme ich aber erst ab 4 h. Nach der Rückkehr lege ich mich zur Ruhe.
Samstag, 17/05/2008:
Um 4.15h stehe ich auf. Ich esse etwas, hole die Startunterlagen und gehedann nochmal zum Auto zurück und bereite mich vor.
Um ca. 5.30 h begebe ich mich erneut zum Marktplatz. Dort ist schon ein Riesentrubel. Die Ausschau nach Bekannten ist erfolglos.
1830 Teilnehmer (lt. Ansager) setzen sich pünktlich in Bewegung. Nach etwa 300 flachen Metern geht es über zwei Serpentinen bergauf und dann aus der Stadt heraus. Zwei kurze Stillstände ergeben sich durch Verengungen.
Etwa nach 5 Km beginnt es zu regnen und ich denke an den Lauf von 2006zurück, da hatte es ab der Streckenhälfte ziemlich heftig angefangen und bis abends nicht mehr aufgehört.
Den eigentlichen Rennsteig erreicht man erst nach ca. 8 Km. Er ist durchgehend mit einem großen, stilisierten R markiert. Kieswege und ein etwa 1,5m breiter Pfad wechseln sich ab. Ganz selten ist ein Teerstück dabei.
Bei Km 15 ist der Regen vorbei. Alles ist ziemlich aufgeweicht. Die Verpflegungsstellen kommen etwa alle 5 Km. Man hat die Auswahl zwischen verschiedenen Getränken und zu essen gibt es Obststücke, Riegel und Kekse. Das gibt verlorene Energie recht gut zurück.
Ich bin Marschierer und werde teilweise auf meine Geschwindigkeit angesprochen. Das Streckenprofil kommt mir schon entgegen und man tut, was man kann. Der Start in Eisenach liegt auf 150m Seehöhe, nach 25 Km überquert man den Großen Inselberg mit 916m. Etwa 100 Hm hinunter geht es über einen sehr steilen und recht glitschigen geteerten Pfad zum Heuberghaus. Dort sagt ein Teilnehmer zu mir, dass für ihn mein Tempo bergauf demotivierend sei. Bergab kommen alle wieder und dann geht es mir so.
Das Wetter wird besser, die Sonne lässt sich sehen. Es geht weiter, mehr bergab als bergauf in Richtung Ebertswiese, hier gibt es sogar warme Würstchen zusätzlich. Diese große Verpflegungsstation ist ziemlich genau an der Streckenhälfte. Zu trinken gibt es dort auch den berühmten Schleim, dessen genaues Rezept nicht bekanntgegeben wird. Er schmeckt mir recht gut.
Nach etwa 44 km kommt ein längerer Anstieg, dann geht es eher flach weiter. Ich muss für etwa 3 km mein Tempo wegen einer Muskelverhärtung drosseln, danach ist sie gelöst und es geht wieder besser. Es gibt verschiedene Lauf- und Wanderstrecken und daher einige �Überhol-arbeit.� Insgesamt sind etwa 15000 Teilnehmer von verschiedenen Startorten unterwegs.
Der Rennsteiglauf war früher die größte Breitensportveranstaltung der ehemaligen DDR.Ich erreiche das Stadion am Grenzadler in Oberhof, einer weltbekannten Wintersportgemeinde. Hier haben schon Weltmeisterschaften im Biathlon und Weltcups im Skilanglauf, Rodeln und Skispringen stattgefunden. Hier bei Km 55 ist eine Ausstiegsmöglichkeit mit Zeitnahme.
Es geht weiter, erst kurz bergauf, danach länger bergab.
Ich werde von einem Läufer angesprochen, ob mir der Name Willem Mütze etwas sagen würde. Ich hätte einen ähnlichen Gehstil wie er. Ja, er ist mir bekannt, er war bei mehreren Deutschlandläufen als Geher im Mittelfeld. Hans (so heißt dieser Läufer) war ebenfalls schon dabei und kennt auch Rainer, der im Jahr 2005 überlegen gewonnen hat. Wir legen einige Km zusammen zurück, bevor mir sein Tempo doch zu schnell wird.
Bei Km 60 kommt wieder ein längerer Anstieg hinauf zum Großen Beerberg, der mit 982m Höhe die höchste Erhebung des gesamten Rennsteigs ist.Kurz danach will mich ein Läufer überholen, auf gleicher Höhe stolpert erund fällt hin. Ich bin Kamerad und helfe ihm wieder auf die Beine. Er kann gottseidank weiterlaufen.Es geht bergab, an der Ausspanne Schmücke vorbei.
Etwa 5 Km vor dem Ziel kommen zwei Mountain-Bike-Fahrer entgegen und begleiten scheinbar ihren Bekannten ins Ziel. Einer schaut die ganze Zeit zu mir herüber. Vielleicht ist er beeindruckt...Eine Hauptstraße muss überquert werden, dort stehen ein paar Leute, die anfeuern. Ich bedanke mich und sage dem Polizisten, der absperrt, dass er etwas Geduld haben müsse. Bei Km 70,5 geht es halt nicht mehr ganz so schnell wie am Start. Schmiedefeld wird am Ortsrand durchquert und nach 10.10.17 h erreiche ich die Ziellinie.
Ich bin sehr zufrieden, weil ich meine Zeit um über 15 min verbessert habe. Die Stimmung beim Publikum ist sehr gut. Ein Fanfarenzug und Trommler sind vor Ort und heizen sie noch an. Wechselsachen und Duschzeug konnte man in einer Tüte abgeben und sie wurde hierher transportiert. Nach dem Duschen gönne ich mir das verdiente Köstritzer Bier, hole meine Urkunde ab und gehe dann etwa 700 m zum Busabfahrtsplatz. Es kommen zwei mir bekannte Marathonteilnehmer entgegen.
Die Busfahrkarte zurück nach Eisenach kostet 10 Euro. Die Startgebühr 37 + 5 Leihgebühr für den Chip . Ein T-Shirt, Medaille und Urkunde war inklusive. Etwa nach 20 min fährt der Bus ab und eine gute h später sind wir da, wo wir heute früh losgelaufen sind.
Der Rennsteiglauf war heuer fest in Allgäuer Hand. Der Sieger, der Dritt- und Fünftplazierte kommen aus meiner Heimatregion. Als ich gerade meine Autotür öffne, sagt jemand: Gruß vom Allgäu fürs Allgäu! Es ist Dr. Miksch aus Kempten. (5. Platz) Ich kenne ihn vom Sehen. Rainer hat seine Altersklasse gewonnen und ist ingesamt 8. geworden.
Ich kaufe noch Proviant für den Heimweg ein und fahre etwa um 20h los.
Mit Pausen bin ich um 02.30 Uhr daheim.